Glaubensimpulse

 


 

 

Februar 2018

 

Die Wintersonne

tanzt durch die Spalten der Jalousien
malt liebevoll
leuchtende Streifen in meine kleine Frühstückswelt.
Sie streicht die Blumen am Fenster,
die Wände,
den Boden
mit überschwänglicher Hoffnung an.
Der Frühling will kommen,
der Sommer
und dann
lässt Gott auch draußen die Welt wieder erwachen
leuchten
in bunten Kleidern
***

Denn Gott hat alles wohlgemacht zu Seiner Zeit
auch hat Er
die Ewigkeit
in das Herz der Menschen gelegt
nur dass der Mensch nicht ergründen kann
das Werk,
das Gott tut,
weder Anfang noch Ende.
Prediger 3,11

 

 

 


 

 

 

Die Weisen aus dem Morgenland (Dezember 2017)

Liebe Leserinnen und Leser,

aus dem fernen Morgenland hatten sie sich auf den Weg gemacht – Magier aus dem Osten also Angehörige des persischen Priesterstandes, die sich mit Sternenkunde und Astrologie befassten. Den neugeborenen König der Juden wollten sie sehen und ihm Ehre erweisen. Bei ihrer Suche wies ihnen ein Stern den richtigen Weg über Jerusalem, wo König Herodes regierte, nach Bethlehem. Dort fanden sie tatsächlich das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie fielen vor dem Kinde nieder und überreichten ihm wertvolle Geschenke, ja königliche Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Nun sollte es wieder zurück in die Heimat gehen. Die Magier wollten wieder dieselbe Route über Jerusalem benutzen. Aber die Freude der weit gereisten Fremden über das Kind stand im Gegensatz zum Schrecken, der ganz Jerusalem erfasst hatte. König Herodes hegte bereits finstere Mordgedanken, weil er seine Herrschaft bedroht sah. –

Weiter berichtet der Evangelist Matthäus uns von den Magiern:

„Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land." 
Was immer sich die drei Weisen auch denken: Gott hat etwas anderes vor, und so weist er sie in eine andere Richtung, weit weg vom gefährlichen König Herodes. –

Vielleicht ist das auch etwas, das wir von dieser Weihnachtsgeschichte lernen können: Im Leben geht es nicht immer nach unseren Träumen und Plänen. Aber der Gott, der in Bethlehem geboren wird, ist einer, der uns auch auf schrägen Wegen begleitet. Auch da, wo es unbequem und dunkel ist. Es ist ein Gott, der uns zärtlich berühren will und uns durch die Nacht hindurch den Weg zum ewigen Licht weisen kann. –

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein behütetes neues Jahr wünscht Ihnen und den Ihren
Pfarrer Jonas Schmidt

 


 

 

 

Geh aus mein Herz und suche Freud´ (Juni 2017)

Liebe Gemeinde,

ein echter „Evergreen" seit Jahrhunderten, er wird gerne gesungen, und lässt die Herzen bei Jung und Alt, höher schlagen: „Geh aus mein Herz und suche Freud" - Paul Gerhardts Loblied auf die Schöpfung. Seine biblische Heimat ist der Psalm 104, wo im Vers 24 geschrieben ist: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter."

Sich diesem Lob der Schöpfung anzuschließen und einen pfleglichen Umgang mit derselben folgen zu lassen, sind wir alle aufgefordert. Es ist eine Binsenweisheit, dass unser alltägliches Leben mit dem Erhalt der Schöpfung schwerlich in Einklang zu bringen ist, weil über allem die Forderung nach mehr Wachstum und damit Konsum, schwebt. Unseren Kindern und Enkelkindern zuliebe sollten wir uns von der Vorstellung des immerwährenden Wachstums der Wirtschaft und der Technik als Bändiger der widerspenstigen Natur verabschieden. Was es dabei zu gewinnen gibt, das sei Ihnen, frei nach Worten des dänischen Theologen Sören Kierkegaard (1813-1855), für den nächsten Ausflug ins Grüne mitgegeben:

Er lässt die Sonne scheinen für dich und wenn sie müde wird, geht der Mond auf und Er zündet die Sterne an - unsertwegen.
Er lässt den Winter kommen, der die Natur verkleidet, sie fremd tut, und das zu unserer Unterhaltung.
Er bringt den Frühling und Vögel kommen zu ungezählten Scharen - uns zur Freude. Das junge Gras lässt Er aufsprießen und
Er macht, dass der Wald schön ausschlägt, und Hochzeit hält - und das, um uns zu erfreuen.
Er schickt den Herbst, und die Vögel ziehen von dannen - nicht damit sie sich kostbar machen, sondern damit wir ihrer nicht leid werden.
Er tut den Schmuck des Waldes in die Truhe, bis aufs nächste Mal, will heißen, damit wir uns auch das nächste Mal freuen mögen!

Herzliche Grüße,
Harald Hain

 

 


 

 

Segnungen und Freuden des Gottesdienstes (Februar 2017)

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Psalmbeter schreibt in Psalm 84, 2-4: Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen - deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.

In unserem Psalm berichtet der Psalmist von den Segnungen und den Freuden des Gottesdienstes. Und da wird deutlich, dass zu einem gesegneten Gottesdienst auch der Wunsch nach einer Begegnung mit Gott, die Sehnsucht nach seinem Reden und die Erwartung, dass er reden wird, mitentscheidend sind. Was uns geschenkt ist mit den Begegnungen in der Gemeinde, mit den Gottesdiensten, das merkt man oft erst dann, wenn man das sonst scheinbar so selbstverständliche plötzlich nicht mehr hat.

Fehlende Freude an Gottesdiensten, an seiner Gemeinde hängt oft auch mit fehlender Freude an Gott zusammen. Und von der ist hier im Psalm die Rede. Da freut sich der Psalmist nicht in erster Linie über eine schöne Liturgie, so schön die auch manchmal ist­ da freut er sich nicht in erster Linie an einer gewaltig klingenden Kirchenorgel, sondern er freut sich zuerst und vor allem an der Gegenwart des lebendigen Gottes.

Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott das heißt doch: Ich freue mich rundherum über meinen Herrn. Wenn Kinder sich riesig über etwas freuen, dann sitzen sie in der Regel nicht gelangweilt auf ihrem Stuhl und sagen: "Ach, wie freue ich mich so". Da springen und hüpfen sie in der Regel in der Gegend herum, weil die Freude Besitz ergreift von ihrem ganzen Körper.

Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen Es lohnt sich angesichts dieser Aussage, einmal die Schwalben zu betrachten. Manchmal kann man ihnen kaum mit den Augen folgen, so schnell bewegen sie sich, so abrupt ändern sie ihre Flugrichtung. Der Psalmist vergleicht sein Herz hier mit einer Schwalbe. Es ist voller Unruhe. Was tragen wir nicht oft an Unruhe mit uns herum, Gedanken, Sorgen, Nöte, Anfechtungen, Schuld. Wir sind von Natur aus friedlos, unruhig   wie eine umherfliegende Schwalbe. Und nun will der Psalmist sagen: So wie die Schwalbe ihr Nest gefunden hat, wo sie ihre Jungen aufziehen kann, wo sie Ruhe findet, so ist mein unruhiges Herz zur Ruhe gekommen, hat in Dir eine Heimat gefunden.

Wie sieht diese Heimat aus? Deine Altäre, Herr Zebaoth! Es gab im Tempel zwei Altäre. Einer stand im Vorhof des Tempels, genauer im Vorhof des Priesters. Das war der große Altar, auf dem die Schuldopfer geopfert wurden. Wenn sich ein Mensch in Israel versündigt hatte, dann brachte er ein Opfertier, das geschlachtet und auf diesem Altar verbrannt wurde. Hier fand die Versöhnung statt. Wenn nicht gerade außergewöhnliche Opfer dargebracht wurden, dann brannten immerzu Opfer auf diesem Altar, oft sogar viele Opfertiere. Das Feuer wurde ständig bewacht, morgens und abends gerichtet, und die Rauchsäule von diesem Opfer stieg Tag und Nacht zu Gott auf.

Oft war es ein Lamm, auf das symbolhaft die Sünde und die Schuld Israels gelegt wurden und das nun stellvertretend starb. Wenn in Israel jemand Angst hatte und ihn die Frage quälte­: Wie stehe ich zu Gott bzw. wie steht Gott zu mir, dann schaute er auf die Rauchsäule und wusste: Das Versöhnungsopfer brennt. Da ist Vergebung. Ein Lamm ist an meine Stelle getreten, an meiner Stelle gestorben.

Im Tempel stand noch ein zweiter Altar. Hier wurde nur Weihrauch geopfert, und der Rauch, der zum Himmel stieg, war ein Symbol für die Gebete der Gemeinde. Er sollte sagen­: Ihr dürft zu Gott reden, ihr dürft euch ihm anvertrauen. Gott ist für euch. Er will euch hören.

Seit dem neuen Testament brauchen wir keine Tieropfer mehr. Im Hebräerbrief lesen wir davon, dass Jesus Christus das endgültige, einmalige und ewiggültige Opferlamm Gottes ist. Tierblut konnte letztlich keine Schuld vergeben, so lesen wir im Hebräerbrief. Jesus hat die vorläufigen Opfer des Alten Testamentes durch sein vollkommenes Opfer am Kreuz abgelöst. Als er starb, zerriss der große Vorhang im Tempel mitten entzwei und machte damit den Zugang zu Gott frei für alle Menschen, die im Glauben das Erlösungshandeln von Jesus für sich persönlich annehmen.

Bei dem lebendigen Gott dürfen wir zu Ruhe kommen, wenn uns Schuld bedrückt. Bei ihm dürfen wir zur Ruhe kommen, wenn uns Sorgen und Nöte umhertreiben.

Herzliche Grüße,
Hans Peter Brüggendick, Prediger im Evangelischen Gemeinschaftsverband Herborn

 

 


 

Die Advents- und Weihnachtszeit (Dezember 2016)

Liebe Leserinnen und Leser,

Advent und Weihnachten – das ist wie kaum eine andere Zeit die Zeit der Kinder. Die meisten von uns Erwachsenen verbinden besonders mit dieser Zeit im Jahr viele Kindheitserinnerungen. Für die eigenen Kinder bemüht man sich jedes Jahr neu, das Fest besonders zu gestalten. Bei den Krippenspielen stehen die Kinder im Mittelpunkt des Geschehens. Und an Heiligabend sehen wir alle auf das ganz besondere Kind. Auf den winzigen, neugeborenen Säugling. Auf Jesus Christus.

Dass Kinder oft ganz eigene, für uns manchmal irritierende und doch gleichzeitig auch augenöffnende Sichtweisen haben, das zeigt die folgende Erzählung von Johanna Haberer, die sie vor einigen Jahren im „Wort zum Sonntag“ der ARD erzählt hat:

Kinder

„Kennst du jemanden, den du als dein Vorbild bezeichnen würdest“, frage ich meine Tochter. Sie ist zehn, hellwach und beobachtet die Menschen genau. Sie denkt eine Weile nach, zögert, sofort fällt ihr niemand ein. Dann hellt sich ihr Gesicht auf. Die Paula, sagt sie, die ist mein Vorbild. So will ich werden, wenn ich mal groß bin.
Was gefällt dir denn so an ihr? Frage ich, etwas enttäuscht, weil ich, die Mutter, als Vorbild offenbar überhaupt nicht in Betracht komme. Nun, sagt sie, Paula ist selbständig und tut immer, was sie sich vornimmt.
Nun bin ich fast beleidigt, denn ich finde, dass ich auch selbständig bin und tue, was ich mir vornehme.
Und was ist mit mir? Frage ich grimmig, warum bin ich kein Vorbild für dich? Ich bin doch auch selbständig und tue, was ich mir vornehme? Da lacht sie und sagt: Dich brauche ich doch nicht als Vorbild, dich habe ich doch in mir drin.

Jesus ist ein großes Vorbild, sagen die Jugendlichen in Umfragen, ein großer Mensch der Weltgeschichte, einer, der die Nächstenliebe gepredigt hat, sogar die Feindesliebe. Ein Mensch auf dem Podest. Ein Vorbild.
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob Jesus ein Vorbild sein wollte für die Menschen. Ich glaube er würde es mit meiner Tochter halten und sagen:

Ich möchte lieber nicht auf einem Podest stehen, ich wäre lieber in dir drin.

Dass Jesus, dass Gott selbst, nicht auf einem Podest stehen möchte, wird schon mit seiner Geburtsgeschichte deutlich. Unter widrigen Umständen geboren, winzig und verletzlich, wie jeder Säugling. Das ist auch irritierend, wenn es um die Geburt des Sohnes Gottes geht. Aber es ist auch augenöffnend, denn es zeigt deutlich wie sonst kaum etwas, dass Gott selbst uns nah sein will, „in uns drin“ sozusagen.

Ich denke, oft vergessen wir das. Gotts scheint uns so weit weg oder wir fühlen uns als Menschen vielleicht auch gar nicht würdig, Gott nahe zu sein. Dabei ist gerade diese Nähe doch der Kern von Weihnachten! Gott kommt uns nahe, damit wir ihm nahe sein können! Warum sonst hätte Gott in die Welt kommen und einer von uns werde sollen, wenn nicht, um uns nahe sein zu wollen?

Gott will uns nah sein in seinem Sohn Jesus Christus. Und dafür dürfen wir ihn gerade nicht auf ein Podest stellen. Ihn in die Ferne rücken, nur aus der Distanz betrachten. Uns ihm (wenn überhaupt) nur mit Vorsicht nähern, als sei er etwas unberührbar Heiliges.

Die Advents- und Weihnachtszeit ist für mich jedes Jahr auch wieder die Erinnerung daran, mich wie ein Kind der Krippe mit dem Kind zu nähern und mich von dem Kind berühren zu lassen, das darin liegt. Die Erinnerung daran, dass Gott nichts anderes will, als in uns zu sein und nicht auf einem Podest. Und dafür diesen Weg auf sich nimmt.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns berühren lassen können in dieser Advents- und Weihnachtszeit. Dass wir spüren können, wie nah uns Gott tatsächlich kommt. Und dass wir, getragen von dieser Nähe, in ein neues Jahr gehen können, das unter der Losung des Propheten Hesekiel steht: „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz lege einen neuen Geist in euch."

Ihre Pfarrerin Andrea Deminski

 


 

 

Durststrecken, oder: Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand (August 2016)

Liebe Leserinnen und Leser!

Angeblich hilft das Ausdauertraining das Leben zu verlängern, was aber sehr schwer zu belegen ist. Eine  Andacht,  der  Besuch  des  Gottesdienstes etc. sind  besondere  Einflüsse,  welche  im  „Lebens-Ausdauertraining“  in  Jesus  Christus  begründet  sind  und  eine  wertvolle  Anpassung im Herzen vornehmen. Unsere Gesellschaft ist sehr leistungsorientiert und keiner darf irgendwie auf irgendeine Art und Weise Schwäche zeigen. Jeder möchte und  soll  so  fit  und  stark  wie möglich  sein  und  das  am  besten  bis ins  hohe  Alter. Wenn  man  Stellenanzeigen in der Zeitung oder im Internet liest, dann  wird  dort  immer  eine  Person mit sehr hoher Flexibilität, hoher Bereitschaft  zum  Reisen,  Verantwortungsbewusstsein  und  Teamfähigkeit gesucht. Wenn man dann zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, bekommt  man  das  Gefühl  vermittelt, dass man am besten 20 Jahre jung sein und über 40 Jahre Berufserfahrung  verfügen  sollte. Die  Firmen  suchen  genau  „den  Mitarbeiter“  für die  ausgeschriebene  Stelle  und  sonst  keinen.

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro,  welche  am  5. August  beginnen, werden auch nur Bestleistungen, sprich  ein  erster  bis  dritter  Platz  in  der  Medaillenrangliste  honoriert. Der Teilnehmer, der  zwar  für  sich  alles  gegeben  und  evtl. auch  Bestleistung erbracht  hat,  sich  aber  auf  Platz  fünf oder  noch  etwas  weiter  hinten  platziert,  wird  in  den  Medien  und auch vom Verband nicht so honoriert. Jeder hängt aber auch mal durch und hat  eine  Durststrecke,  der  eine  mehr der  andere  weniger,  die  andere  öfter und  die  andere  nicht  so  oft,  aber  jeder  kennt  das. Die  Phasen,  in denen die  Kräfte  schwinden  und  wo  man kämpfen muss, um den Anschluss zu halten. Weil der Druck oder die Erwartungen, die man an sich selbst stellt oder von außen an einen gestellt werden, zu hoch sind. Sei  es bei  einem 800-Meter-Rennen zwischen 500 und 700  Metern,  oder  bei Kilometer  vier auf  einer  5.000-Meter-Strecke,  in  denen  ein  Durchhänger  vorkommt. Die Anzeichen dafür sind meistens, dass man müde wird, die Beine schwer sind und die Atmung hastig und verkrampft ist. Es  schießen  einem  Gedanken  durch  den  Kopf:  Schaffe  ich es  dran  zu  bleiben  oder  sollte  ich vielleicht  lieber  das  Tempo  drosseln, da man ja noch ein Stück vor sich hat. Ab hier entscheidet sich auch, ob man eine gute Zeit läuft oder den vermeintlichen Sieg aus der Hand geben muss. Dann passiert das fast Unmögliche: in dieser  Phase  enormster  Anstrengung läuft  es  besser  als erwartet  und  man denkt,  jawohl  das  Training  hat  sich gelohnt und ich komme einen Schritt weiter. Der Körper hat den Stoffwechsel angepasst und neue Kräfte mobilisiert. Bei den Marathonläufern heißt das, dass sie einen zweiten Wind bekommen haben und der tut gut.

In Jesaja 40, 31 wird auch vom zweiten Wind gesprochen:
„Die  aber,  die dem Herren vertrauen, schöpfen neue Kraft,  dass  sie auffahren  mit  Flügeln  wie  Adler,  dass  sie  laufen  und  nicht matt werden, dass sie gehen und nicht müde  werden.“

Das Volk Israel hatte auch eine unheimliche Durststrecke zu   meistern. Es   war   hoffnungslos und sah kein Licht am Ende des Tunnels. In babylonischer Gefangenschaft mussten die Israeliten einiges über sich ergehen  lassen,  weit  weg  von der Heimat. Dann hörten sie die oben genannten Worte. Man stelle sich nur vor, wie das für das Volk geklungen haben muss. Sie durften aber zurück in ihr Land, in ihre Heimat und diese Worte erfahren und auf sie vertrauen.

Beim Laufen oder generell im Sport   sind Durststrecken ganz normal. Interessant  ist  nur,  wie  man  hindurch  kommt:  zufrieden,  ärgert  man  sich oder   bekommt   man   vielleicht   den   zweiten  Wind  zu  spüren. Im alltäglichen Leben sind diese sogenannten Durststrecken  auch  normal. Es gibt niemanden, der so etwas nicht schon selbst erlebt hat. Sei es auf der Arbeit – Probleme mit dem Chef oder durch zu viel oder zu wenig Arbeit. In  der Schule  wegen  schlechter  Noten  oder weil  man  gemobbt  wird. Schwierigkeiten in der Familie mit dem Partner. Oder man muss sich bei jemandem entschuldigen, weil man mit ihm verbal zusammen gestoßen ist. Um   Durststrecken   zu   überwinden,   reicht beim Laufen vielleicht die Person, die vor einem läuft, um sich von ihr da hindurchziehen zu lassen. Jeder braucht jemanden, der einem beisteht und zuhört, wenn es mal nicht so läuft. Jemanden der uns in grauen Tagen  begleitet. Einen,  der  uns  neue Kraft  gibt,  wie  zum  Beispiel  der  Mitläufer im Wettkampffeld oder der Trainer  im  Verein,  der  einem  Tipps  gibt.

So macht uns Gott auch das Angebot seiner Begleitung und des Zuhörens. Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand, er fängt uns auf, auch wenn wir es nicht immer direkt oder sofort spüren:
„Die  aber,  die  dem  Herren vertrauen, schöpfen neue Kraft, dass sie  auffahren  mit  Flügeln  wie  Adler, dass  sie  laufen  und  nicht  matt  werden,  dass  sie  gehen  und  nicht  müde werden.“

Herzliche Grüße,
Holger Burbach

 

 


 

Männer

Liebe Leserinnen und Leser!

Männer sind anders, Frauen auch. Während „Grönemeyer“ unter den 34 Eigenschaften der Männer in seinem Lied feststellt, dass Männer einfach nur sonderbar sind, singen die „Ärzte“ darüber, dass Männer mit einem bestimmten Tier aus der Landwirtschaft zu vergleichen sind. Letzte Woche hörte ich einen Beitrag im Radio, dass Männer eine tragende Rolle einnehmen. Sie halten die Kinder, tragen ihre Frau auf Händen und tragen den Müll raus…. Es ließen sich sicherlich noch unzählige weitere Zitate nennen. So unterschiedlich die Menschen auch sind, beim Unterschied zwischen Männern und Frauen ist das nochmal was Besonderes. Wir lieben offensichtlich dieses Klischee-Spiel. All diese ironischen Beiträge haben sicherlich einen berechtigten Hintergrund. Selbstfindungsseminare boomen. N 24 berichtete: Männer suchen Ihre Identität. Deutsche Männer steuern auf einen Konflikt zu. Sie suchen nach ihrer Rolle in der Gesellschaft. Demnach sind eine Vielzahl der Männer unentschlossen oder springen zwischen den Rollenbildern hin und her.

Es finden sich auch in der ev. und kath. Kirche viele Ansätze, die der Unterschiedlichkeit der Geschlechter gerecht werden wollen. So wurde z. B. im Auftrag der Kirchen die Studie „Männer in Bewegung“ erstellt. Laut Statistik meiden Männer die Gottesdienste, aber die Leitungspositionen sind meist von Männern besetzt. In den Gemeinden sind Frauen wesentlich aktiver. Frauen sind die Trägerinnen des Gemeindelebens. In der EKD stehen den 2.600 Männerkreisen mehr als 18.000 Frauenkreise gegenüber! So gibt es einige Autoren, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, ob Männer vielleicht anders glauben. Sie hätten andere Zugänge zur Religiosität, ihre Spiritualität hätte andere Formen und Praktiken. Psychologen und Soziologen meinen, Männer könnten nicht über sich sprechen, Männer hätten keinen Kontakt zu ihren Gefühlen, Männer wärenoft hilflos, wenn es um das eigene Innere geht. Pfarrer Christoph Rau z.B. meint, dass die Kirche von weitgehend weiblichen Tugenden wie Liebe, Gnade, Vertrauen, Gemeinschaft, Geborgenheit geprägt ist. In der Kirche müsse man sich auch den männlichen Tugenden mehr widmen. So entdecke man im Neuen Testament einen sehr männlichen Jesus, der Forderungen stellt, der seine Anliegen kompromisslos vertritt, der auch schon mal zur Peitsche greift.

Ich denke, die Spannbreite männlichen Verhaltens ist groß. „Männer“ sind keine einheitliche Gruppe. Von „den Männern“ zu reden, birgt also die Gefahr einer unzulässigen Verallgemeinerung. Um Männer in die Gottesdienste zu holen, braucht es meines Erachtens keine männlicheren Kirchen. Wir sollten öfter in Gottes Wort nachschauen, denn DER der das Leben gab, hat auch die beste Gebrauchsanweisung dazu. Jesus hat die Gemeinde eingesetzt, die sich aus Männern und Frauen, von Alt bis Jung zusammensetzt. Diese soll eine Einheit werden, auch wenn die Leute sehr verschieden sind, nicht nur wegen ihres Geschlechts oder ihres Alters. Es wäre deshalb sicherlich gut, die Grüppchenbildung nicht weiter auszubauen. In dieser Gemeinde soll Gemeinschaft unter der Regie von Christus so gelebt werden, dass jeder seine Rolle findet. In der Gemeinde geht es nicht um Selbstverwirklichung, sondern darum, Gott zu verherrlichen. Auf der Basis der biblischen Lehre sollen Trost, Ermahnung, Erbauung und Dienst erfolgen, so dass die Gemeindeglieder geistliche Entwicklung erfahren. Männer und Frauen sollen erfahren, dass geistliches Leben nicht im Besuch von Gottesdiensten oder dem Singen gefühlvollerLieder erschöpft ist. Nachfolge ist Leben mit Jesus mitten im Alltag. Die Frage zur Selbstfindung des Mannes kann ich dem Umfeld überlassen oder kann es bewusst Gott anvertrauen.

Bei einem Oldtimertreffen sah ich einen guten Bekannten mit der T-Shirt Aufschrift: „Das Beste, was aus einem Mann werden kann, ist ein Traktorfahrer.“

In der Bibel lese ich mehrfach: Das Beste, was aus einem Mann werden kann ist, dass er fromm und gottesfürchtig ist. Was treibt mich, was bestimmt mich? Gut, wenn das Jesus Christus ist. Er selbst hat sich dem Willen Gottes unterstellt und gesagt, dass nichts vom Wort Gottes aufgelöst werden wird. Die Ordnung Gottes ist die rechte Ordnung. Die Liebe zu Gott und seine Liebe zu uns sind der Inbegriff aller göttlichen Ordnung. In Seinem Wort finde ich zum Titelthema, dass Männer zuerst Ehemänner und Väter sein sollen. Die Ehe ist von ihm eingesetzt und sollte die Regel sein. Die Ehe ist ein Bund. Ein Bund ist die an Ernsthaftigkeit nicht zu übertreffende und verbindlichste Form der Hingabe, die die Bibel kennt. Die Liebe von Mann und Frau in der Ehe wird mit der Beziehung von Christus zur Gemeinde verglichen. Die zwei dauerhaftesten Beziehungen, die für einen Menschen möglich sind, beruhen auf einem Bund. Das sind die Beziehung der Gläubigen zu Gott und die Beziehung zwischen Mann und Frau. Weiter sagt uns die Bibel, dass Männer nicht dastehen und zum Himmel schauen, sondern hingehen und aller Welt das Evangelium predigen und wenn nötig auch mit Worten. Der Apostel will, dass die Männer an allen Orten beten und heilige Hände ohne Zorn und Zweifel aufheben sollen (1. Tim.2,8). Damit wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi. Dazu helfe uns Jesus Christus.

Herzliche Grüße,
Werner Brietzke

 

 


 

 

Sicherheit oder Gewissheit? (April 2016)

Liebe Leserinnen und Leser!

"In Sicherheit sein" ist ein gutes Gefühl. Wir leben in einem relativ sicheren Land, ohne Krieg und mit Meinungsfreiheit; wir haben ein Dach über dem Kopf, uns geht es gut.Viele Versicherungen helfen uns dabei. Zum Beispiel die Krankenversicherung. Wir brauchen uns nicht zu fragen, ob wir uns eine Operation leisten können, die schon mal einige tausend Euro kosten kann.

In vielen Ländern gibt es das nicht, auch keine Arbeitslosenversicherung. Wer dort arbeitslos ist, hat schnell nicht einmal mehr Geld, sich die nächste Mahlzeit zu kaufen. Und wer seine Gebühren nicht bezahlen kann, landet im Gefängnis, bis er von Freunden oder der Familie freigekauft wird.

Oder wer kann sich eine Massenkarambolage auf der Autobahn leisten? Gut, dass wir dann eine Haftpflichtversicherung haben!
Natürlich kann man sich gerade hier bei uns in Deutschland auch überversichern. Da müssen wir uns fragen: „Wie viel Sicherheit brauchen wir? Und gleich als nächstes stellt sich die Frage: „Wie sicher ist Sicherheit?“

Bei all diesen Versicherungen geht es darum, die Kosten aufzufangen. Denn natürlich haben auch Menschen mit einer Unfallversicherung Unfälle, werden krank auch mit einer Krankenversicherung, sterben auch mit einer Lebensversicherung. Mit diesen Versicherungen, so gut und nützlich sie auch oft sind, schaffen wir nur Sicherheiten für unser irdisches Leben. Aber was tun wir für unser ewiges Leben? Bin ich gut genug, um in den Himmel zu kommen? Wie kann ich mich da „versichern“?

Auch Martin Luther hat diese Überlegungen angestellt. Er wusste, dass Gott unser ganzes Herz und Leben beansprucht und entdeckte, dass wir schon das erste Gebot nicht halten können, weil unsere Liebe zu Gott nie ungeteilt ist und  wir in allem, auch in der größten Frömmigkeit, uns selbst suchen: unser eigenes Heil, unser eigenes Glück, unsere eigene Seligkeit. Dabei stört Gott unseren Willen. Wir sagen: "ich will", und nicht: "ich bin Dein."
Ein Theologe des 19. Jahrhunderts, Hermann Cremer, hat dies „Unheils-Gewissheit“ genannt: Unser Verhalten trennt uns von Gott. Aus dieser Unheils-Gewissheit errettet uns Deine Liebe trägt mich!Gott selbst. Er hat uns, den Untreuen, Seine Treue gehalten. Gott wird Mensch und stirbt für unser Versagen, unsere Schuld, das, was uns von Ihm trennt – und das aus lauter Liebe zu uns! Gott begnadigt uns, weil Christus unsere Schuld an das Kreuz getragen hat.
Durch Sein Evangelium dürfen wir unsere Heilsgewissheit erhalten.

Dies ist die Gewissheit, dass Gott uns liebt, obwohl wir Ihn nicht lieben. Luther nennt sie Glaube, bloßes Vertrauen. In dieser Gewissheit, dem Glauben daran, dass Gott uns durch Christus gerecht gemacht und errettet hat, wird das erste Gebot Gottes erfüllt.

Denn von Gott geliebt werden heißt: Gott lieben lernen.
Und Gott lieben heißt: sich von Gott lieben lassen.
Der Glaube daran wirkt sich auf unser ganzes Leben aus.

Aber leicht verwechseln wir Gewissheit mit Sicherheit und versuchen, aus unserer Beziehung zu Gott eine Sicherheit zu machen.
Wir wollen, dass Gott so sein soll, wie wir Ihn uns vorstellen und machen aus dem Glauben eine Religion. Karl Barth hat einmal diesen steilen Satz gesagt: „Religion ist Unglaube!“ Denn Religion ist immer von unten nach oben, also vom Menschen zu Gott hin gedacht. Der Mensch macht sich Gott so zurecht, wie er Ihn gern hätte. Damit will er sich absichern, weil er weiß, dass er nicht von sich aus gut sein kann. -
Auf welcher Grundlage basieren unsere Regeln, Riten und Traditionen?

Aber auch jeder einzelne für sich ist in der Gefahr, aus den von Gott geschenkten Gaben eine Sicherheit zu machen, auf die er sich verlässt. Die Bibel ist, von den Propheten bis zu den Aposteln, eine Warnung vor dieser Gefahr, wie auch Jesu Differenzen mit den Pharisäern.
Diese Gefahr ist deshalb so groß, weil unsere Sicherheit aus den Stärken und Gaben erwächst, die uns Gott doch selbst gegeben hat. Nur allzu leicht glauben wir, dass wir uns mit unseren eigenen Stärken den Himmel verdienen können. (Ich bin doch ein guter Christ, weil ich dies und jenes vorzuweisen habe).
Die Bibel redet vom "sich selbst rechtfertigen", vom "Vertrauen auf das eigene Werk", - und doch ist es Gott, der uns alles schenkt, das Werk, das Gelingen und die Freude.

Gott überlässt uns nicht uns selbst, sonst gingen wir verloren. Er ruft uns immer neu aus unserer Sicherheit heraus durch Sein Wort und Seine Gebote, die uns immer wieder vor Augen führen, dass wir nicht von uns aus gut sein können.
Damit wir nicht verloren gehen, und weil Er mit uns Gemeinschaft haben will, befreit Gott uns von der tödlichen Anklage des Gesetzes, indem Jesus an unsere Stelle tritt und für uns stirbt. Und dann pflanzt Er uns mit dem Glauben an Jesus Christus Seine Liebe und Seinen Geist ins Herz, so dass wir erkennen können, wie einst der Jünger Thomas: "Jesus, mein Herr und mein Gott!"

Dies schenkt die Gewissheit, dass alle, die ihr Leben an Jesus festmachen, schon heute zu Seiner Gemeinschaft der Heiligen gehören, und ermutigt uns in den Zweifeln und Kämpfen eines jeden Tages.

 

Shalom – der Friede des Herrn sei mit euch!

Luise Brietzke


Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer in Kapitel 8, 38+39:

Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

 


 

 

 

Aus unseren Andachten STILLE passions ZEIT von Pfarrerin Andrea Deminski (März 2016)

30 Minuten...
...für Gott, ...für Stille, ...für Gebet

Petrus

„Du kannst dich auf mich verlassen. Felsenfest.“ Der das zu Jesus sagt, Petrus, heißt auch so. Jesus hatte ihm, dem Fischer Simon vom See Genezareth, den Beinamen Petrus verliehen. Auf Deutsch heißt Petrus „Felsen“. „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“, hatte Jesus gesagt. Aber auch Felsen können zerbrechen; sie verwittern und werden instabil, sie können zerschlagen werden.

Diese Erfahrung macht Petrus am eigenen Leibe: in jener verhängnisvollen Nacht vor dem Tod seines Freundes und Lehrers. Verrat und Gewalt werfen ihre finsteren Schatten voraus. Jesus weiß, was ihm bevorsteht. Und er kennt seine Pappenheimer, auch den vermeintlich so tapferen Petrus. „Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“, sagt er voraus. Petrus antwortet: „Und wenn ich mit dir sterben müsste, will ich dich nicht verleugnen.“ (Mt 26,35) Gut gebrüllt, Löwe, aber eben nur gebrüllt. Die übrigen zehn Jünger stimmen tapfer ein – einer, der Verräter, war ja schon ausgeschieden und bereits mit den Soldaten unterwegs zur Gefangennahme.

Wir wissen, was dabei geschah. Allen rutschte das Herz in die Hose. Jetzt herrschte die Gewalt, und nichts mehr war’s mit tapferen Worten. Was hätten die braven Männer auch groß tun sollen? Petrus immerhin versucht mutig dazwischenzugehen, als die Soldaten auftauchen. »Steck dein Schwert in die Scheide!“ beendet Jesus den sinnlosen Versuch. Und wird in die Nacht geführt, zu Verhör und Folter.

Petrus folgt heimlich; er will doch wissen, was weiter geschieht. Aber dann, als er, noch im Morgengrauen, gefragt wird: „He, du bist doch auch einer von denen!“ Da zerbricht der Fels. »Keine Ahnung, wovon du sprichst«, sagt er. Und der Hahn kräht. Da erinnert sich der Mann an die Worte Jesu – und geht ins Freie, bitterlich weinend.

Auf diesen brüchigen Fels also ist die Kirche gebaut, und das ist auch gut so. Der fatale Hahn blieb der Kirche verbunden; er wurde zum Wetterhahn, dreht auf vielen Kirchtürmen seine Kreise und erinnert daran: Kirche ist und bleibt zutiefst menschlich, irdisch. Sie lebt nicht aus eigener Macht und Pracht. Sondern von der Vergebung.

Die Geschichte des Petrus ist also alles andere als eine Heldengeschichte. Aber neben Jesus ist gerade dieser wankelmütige, oft gänzlich unverständige Mensch die zentrale Figur in den Evangelien. Niemand sonst wird so oft erwähnt. Offenbar hat er vor und nach dem Tod Jesu eine zentrale Rolle in der Schar der Anhängerinnen und Anhänger gespielt. Doch recht oft wird gerade er negativ charakterisiert. Einmal beschimpft ihn Jesus laut und deutlich: „Du Satan!“, fährt er ihn an. Weil Petrus nicht verstehen kann, dass Jesus einen Weg vor sich hat, der ihn ins Leiden und in den Tod führen wird. Und dass er diesen Weg freiwillig auf sich nimmt. Wer könnte das auch verstehen?

In der biblischen Gestalt des Petrus lernen wir keinen Heiligen kennen, sondern einen höchst anfechtbaren Menschen. Der wohltuende Realismus der biblischen Erzählungen besteht darin, dass sie diese menschliche Seite nicht unterschlagen. Erst spätere Zeiten haben den Jüngern Heiligenscheine aufgesetzt. Damit wird zwar die unverzichtbare Bedeutung dieser ersten Glaubenszeugen unterstrichen, zugleich aber wird der Zugang zu ihnen erschwert – es sind Menschen wie du und ich, mit ihren Stärken und mit ihren Schwächen.

Oft wissen wir gar nicht, was unsere Stärken und was unsere Schwächen sind. Auch Petrus hätte vermutlich nie von sich gedacht, dass er seinen geliebten Meister Jesus verleugnen würde. Etwas, das er für seine Stärke hielt, ist ihm zur Schwäche geworden.

Was sind meine Stärken, was sind meine Schwächen? Wo werden meine Stärken zu Schwächen und meine Schwächen vielleicht auch zu Stärken?

Mit diesen Fragen gehen wir in die Stille.

 

 


 

 

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte (Dezember 2015)

Es begab sich aber zu der Zeit, dass eine Einladung von der Bundeskanzlerin Angela Merkel ausging, dass alle in Ungarn festsitzenden Flüchtlinge sich in Deutschland registrieren lassen dürfen. Und diese Einladung war die allererste und geschah als Assad Präsident in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich registrieren ließe, ein jeder in die ihm zugewiesene Stadt.

Da machte sich auf auch Jussuf aus der Stadt Damaskus, in das deutsche Land zur Stadt Angelas, die da heißt Berlin, damit er sich registrieren ließe mit Maisha, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und als sie am LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin) waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Rettungsdecken und legte ihn in einen alten Wäschekorb; denn sie hatten noch keinen Raum in der Herberge.

Britta Greiff, Liebenzell

 

 

 


 

Zeit und Ewigkeit (November 2015)

Liebe Gemeinde,

wenn man Menschen fragt, was sie sich wünschen, steht eine Sache an aller erster Stelle: Mehr Zeit. Mehr Zeit - das hatten zumindest die Eiershäuserinnen und Eiershäuser, die in ihrem Tagesablauf auf die Kirchenuhr gucken.

Sogar unendlich viel Zeit, fast schon eine Ewigkeit. Denn im Sommer fehlten der Kirchenuhr für ein paar Tage die Zeiger und das Ziffernblatt, bevor sie wieder frisch saniert strahlen konnten. Welches schönere Bild kann es für die Ewigkeit geben, als eine Uhr, der mit Zeiger und Ziffernblatt ihre Hauptmerkmale fehlen?

Dabei ist das Zeitgefühl etwas zutiefst subjektives. Es gibt Tage und Zeiten im Leben, da fliegt die Zeit nur so an einem vorbei und man hat das Gefühl, die 24 Stunden, die jeder und jedem von uns zur Verfügung stehen, können unmöglich reichen, um all das zu schaffen, was an Aufgaben und Erwartungen auf uns einprasselt.

Oder auch Zeiten, von denen man gar nicht möchte, dass sie vorbei gehen, weil sie einfach so schön sind, dass man sie für immer festhalten will, auch wenn es nur ganz kurze Momente sind.

Und dann gibt es Zeiten, in denen genau dieselben 24 Stunden unendlich scheinen, weil sie schlicht und einfach nicht vorbei gehen wollen. In dem einen Fall wünschen wir uns Ewigkeit- im anderen wünschen wir uns, dass diese Ewigkeit doch nur schnell vorbei gehen möge.

Und dann gibt es noch dieses ganz andere Zeitgefühl, das der englisch-amerikanische Schriftsteller Wystan Hugh Auden (1907-1973) folgendermaßen beschrieben hat:

Anhalten alle Uhren, Telefon abstellen,
der Hund mit seinem leckeren Knochen soll nicht bellen;
keine Klaviere jetzt; lasst dumpf die Trommel rühren,
den Sarg heraus zu begleiten, die Trauergäste zu führen.

Über unseren Köpfen sollen Flugzeuge kreisen und klagen
Und in den Himmel die Botschaft eintragen: Er ist tot.
Den städtischen Tauben legt einen Flor um den weißen Kragen,
die Verkehrspolizisten laßt schwarze Handschuhe tragen.

Er war mein Norden, mein Süden, mein Ost und mein West,
meine Arbeitswoche, mein Sonntagsfest,
mein Mittag, meine Mitternacht, mein Gespräch, mein Gesang
ich meinte, die Liebe daure ein Leben; das war falsch.

Die Sterne braucht es jetzt nicht: löscht das Licht ihnen allen;
den Mond packt ein und die Sonne lasst fallen;
Gießt den Ozean aus und den Wald reißt ein:
Von jetzt an kann nichts mehr von Gutem sein.

Es ist das ganz eigene und seltsame Zeitgefühl nach dem Verlust eines geliebten Menschen, das W.H. Auden hier beschreibt. Viele von Ihnen werden dieses Gefühl kennen. Vor allem die Angehörigen der Menschen, deren Namen in der aktuellen Ausgabe unseres Gemeindebriefs genannt sind, weil wir an sie dieses Jahr am Ewigkeitssonntag ganz besonders denken wollen. Es ist das Gefühl eines endlos scheinenden Schmerzes. Einer Trauer, in die nichts von außen hereinbrechen kann, um sie zu durchdringen. Einer Hoffnungslosigkeit, die kein Licht zulassen will, nicht mal die weißen Kragen der Tauben oder das Licht der Sterne. Ein Schweigen und eine dumpfe Stille. Wenn man trauert scheint all das ebenfalls eine Ewigkeit zu dauern.

Dieses Bild, das W.H. Auden hier mit seinen Worten entstehen lässt, trifft meiner Meinung nach diese besonderen und eigenartigen Gefühle der Trauer sehr gut. Dennoch sind sie für mich eine Momentaufnahme und ich möchte diesem Bild zwei weitere Bilder zur Seite stellen. Denn wenn im Christentum von der Ewigkeit die Rede ist, werden auch immer Bilder verwendet. Da ist einmal die Stelle im Johannesevangelium in Kapitel 14, in der Jesus von dem Haus Gottes erzählt, in dem viele Wohnungen sind, die in Gottes Ewigkeit auf uns warten. Und da ist das Bild aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch in der Bibel, in Kapitel 21. Dort wird das neue Jerusalem beschrieben und vor allen Dingen ein Gott, der sich den Menschen zuwendet und sie tröstet, indem er ihre Tränen trocknet. Beide Bilder lassen das Gefühl der Trauer nicht verschwinden. Aber sie können Hoffnung und Trost bringen, wo es hoffnungslos und dunkel scheint. Denn Gott verspricht uns allen einen Platz in seiner Ewigkeit.

 

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski

 

 


 

"Herr, ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin" Psalm 139,14 (März 2015)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

während diese Andacht entsteht, sind wir noch in der Passionszeit und somit in der Vorbereitung auf die Themen der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefs: Ostern- Himmelfahrt- Pfingsten.

Durch die Fastengruppe, die dieses Jahr zum ersten Mal in unseren Gemeinden stattfindet, hat die Passionszeit für mich einen ganz anderen Schwerpunkt bekommen. Nicht nur die Passionsandachten sind es, in denen wir innehalten. Sondern auch in regelmäßigen Abständen Freitagsabends hält eine Gruppe von 19 Frauen inne und versucht, das loszulassen, was sie gebunden hält, was sie unfrei macht in ihrem Leben. Für viele ein Experiment- mich eingeschlossen! Aber ein wunderbares Experiment, das auch mich vieles neu entdecken lässt und auf dessen Ausgang ich ebenso gespannt bin!

„Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!“ Ich bin wunderbar gemacht. Dieser Vers aus Psalm 139 begleitete uns in der ersten Fastenwoche. Und dabei entsteht in mir auch sofort ein Bild. Das Bild von Gott, wie er aus der Erde den ersten Menschen macht, wie er formt und feilt, hier noch ein bisschen glatt streicht und dort noch ein bisschen zieht und „zuppelt“ bis schließlich alles zu seiner Zufriedenheit ist. Das Bild ist sehr nah an dem, was uns die Bibel im zweiten Schöpfungsbericht überliefert (1. Mose 2). Wie es sich Menschen vor tausenden von Jahren vorgestellt haben, dass Gott uns geschaffen hat. Es ist das Bild eines Künstlers, der sein Werk schafft.

Aber nicht als leblose Hüllen hat er uns geschaffen, sondern als Menschen mit einer Seele, ausgestattet mit Gaben, die durch den Geist gegeben sind. „In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller; dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem anderen, von der Erkenntnis, einem anderen Glaube, einem anderen die Gabe, gesund zu machen,…“ usw. usw. Dieser neutestamentliche Vers aus dem 1. Kor stand über der zweiten Fastenwoche.

Gaben und Talente - da muss ich immer sofort an Ungewöhnliches denken. Auch an die Fernsehsendung „Das Supertalent“, in der tatsächlich die außergewöhnlichsten Talente gesucht werden. Wir sind bei weitem nicht alle solche Ausnahmetalente, aber solche und ähnliche Sendungen vermitteln zumindest mir oft das Gefühl, dass ich nichts Wert bin wenn ich nichts Außergewöhnliches und Aufsehenerregendes kann. Dass meine ganz alltäglichen Gaben (welche auch immer das sein mögen…) nicht wertvoll sind, weil sie weder Aufsehen erregen, noch Massen begeistern oder Menschen tatsächlich helfen.

Nach außen hin äußern sich solche Gefühle des Ungenügens oft im Versuch der Selbstoptimierung: Ob nun äußerlich durch Schönheitsoperationen oder beruflich in der Erhöhung der Belastbarkeit. Man kann sich selbst mittlerweile bis in den Schlaf hinein kontrollieren und aus dieser Kontrolle heraus dann optimieren. Manche Menschen mögen das brauchen, andere setzt es unter Druck.

Schön wäre es, wenn wir stattdessen einfach so sein dürften wie wir sind. Wenn wir das annehmen könnten, was Gott in uns hinein gelegt hat. Aber dazu gehört es, auch zu wissen oder zu ahnen, was er denn in uns hinein gelegt hat.

„Dem Geist ein Gesicht schenken“. Das war die Übung, mit der wir in der Fastengruppe beide Bibelverse mit einander verbunden haben. In Anlehnung an den Gedanken des Künstlers, der ein Werk schafft, haben wir versucht, unsere Gaben und Talente bildhaft mit Modelliermasse darzustellen. Wie sich herausstellte, kein so leichter Versuch. Nicht nur, dass sich manches schwer umsetzen ließ. Noch schwerer viel es oft überhaupt zu erkennen, was man selbst gut kann- ohne auf die Wahrnehmung der Anderen zu hören.

Was könnt ihr gut? Wo liegen eure Gaben, eure Talente? Wobei geht euch das Herz auf, wenn ihr es tut? Ich denke, wenn wir versuchen, diese Fragen immer mal wieder im Alltag zu stellen, kommen wir auch dahinter, welchen Schatz Gott in uns hinein gelegt hat und können am Ende mit in Psalm 139 einstimmen: „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!“.

 

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski

 

 


 

Lebendiges Wasser (Januar 2015)

Liebe Gemeinde,

geht es Ihnen auch oft so, dass Sie am Anfang des Jahres voller Motivation und Tatendrang sind? Wie eine Quelle sprudeln dann Ideen in uns und wir können es gar nicht abwarten, sie endlich in die Tat umzusetzen. Doch umso weiter das Jahr voranschreitet, umso mehr versiegt diese Quelle wieder. Der Alltag mit seinem Tempo, seinen Pflichten und auch so manche Sorgen und Ängste verschütten sie.

Wie können wir das, was doch immer wieder am Jahresanfang so in uns sprudelt, auch im Laufe des Jahres wieder zum Leben erwecken? Vielleicht kann uns eine Geschichte aus dem Johannesevangelium da ein Wegweiser sein:

Es wird von einer Frau erzählt, deren innere Quelle ebenfalls verschüttet war. Aber eine Begegnung beim Wasserschöpfen am Jakobsbrunnen verändert sie durch die Zusage, die Jesus ihr gibt:
„Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“

Die Frau kommt zum Brunnen, um das zu holen, was ihr alltägliches Leben sichert: Wasser aus dem sehr traditionsreichen Jakobsbrunnen.

Und an dieser Stelle findet sie viel mehr, als sie sich erhofft hatte: zuerst noch ein wenig abweisend dem Fremden gegenüber lässt sie sich dann doch auf ein Gespräch ein. Und nach und nach beginnt die Quelle in ihr, die so verschüttet schien, doch wieder zu sprudeln.

Denn sie erkennt, dass Jesus der ist, auf den Sie schon so lange gewartet hat. Derjenige, der ihr lebendiges Wasser gibt, damit ihre Seele nicht länger vertrocknen muss. Derjenige, der in ihr Herz und in ihre Sehnsüchte schaut, der sie sieht und mit dem lebendigsten Wasser versorgt, das es gibt und sie wieder zu neuem Leben erweckt. Ihr Durst nach echtem Leben wird gestillt.

Ich wünsche uns allen, dass auch wir diese Erfahrung immer wieder machen können: dass uns durch Jesus Christus Wasser geschenkt ist, das uns zu neuem Leben erweckt. Dass er unsere innere Quelle wieder zum Sprudeln bringt, damit wir wieder voller Kraft die Aufgaben angehen können, die uns gestellt sind.

 

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski

 


 

Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, zum Lob Gottes! (Dezember 2014)

Liebe Leserinnen und Leser,

wahrscheinlich weihnachtet es bei Ihnen gerade sehr, während Sie die aktuelle Ausgabe unserer Glaubensimpulse lesen. Vielleicht backen Sie gerade Plätzchen, basteln, schmücken Ihre Fenster oder machen sich Gedanken um die Geschenke, die es dieses Jahr geben soll. Denn so ganz ohne Geschenke will man Weihnachten ja eigentlich auch nicht feiern. Es ist doch immer schön, ein kleines Päckchen in den Händen zu halten und zu wissen, dass jemand an einen Gedacht hat.

Vor allem, weil es in der Zeit vor Weihnachten (aber auch rund um die Feiertage herum) immer wieder negative Reibung geben kann. Natürlich spüren wie eine solche Reibung das ganze Jahr über immer mal wieder, aber in der Advents- und Weihnachtszeit doch irgendwie besonders.

Auf Unstimmigkeiten unter einander nimmt auch die Jahreslosung für 2015 Bezug- und dazu passend auch dieses Bild, das die Künstlerin Stefanie Bahlinger dazu gestaltet hat: „Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, zum Lob Gottes“. Einander annehmen- das würden wir heute vielleicht eher mit den Worten „Toleranz“, „Akzeptanz“ oder vielleicht „Respekt“ beschreiben. Aber der Kern ist doch der gleiche: erkennt an, dass ihr alle unterschiedliche seid und findet doch das gemeinsame. Findet eine gemeinsame Basis, auf der ihr so miteinander umgehen könnt, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist. Für ihn waren alle Menschen gleich wertvoll, egal ob Mann oder Frau, ganz jung oder ganz alt. Niemand war für ihn besser oder schlechter.

Dass wir uns das in Kirchengemeinden (aber nicht nur hier, denke ich) zum Vorbild nehmen sollen, ist selbstverständlich. Doch was so selbstverständlich scheint, scheitert doch fast täglich bei der Umsetzung: wo unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen auf einander prallen, passiert es schnell, das der gegenseitige Respekt verloren geht und man einander nicht mehr in liebevoller Annahme, einfach mit einem positiven Grundgefühl, begegnen kann. Einander anzunehmen funktioniert da immer gut, wo man einer Meinung ist; ist das nicht mehr der Fall, wird es schwierig. Besonders dann, wenn jeder meint, mit seiner Meinung die einzig wahre und richtig zu vertreten.

Ich glaube, es ist eine ewige Aufgabe von Kirchengemeinden, aber auch von Christinnen und Christen im privaten Bereich, zu lernen, dass andere Menschen ganz anders denken, leben und fühlen, als wir das für richtig halten. Und dieses Anderssein des Anderen dann auch anzunehmen. Dazu gehört es, sich bewusst zu sein, dass wir einfach nicht alle gleich sind und dass es für das Denken und Fühlen, aber auch für die gewählte Lebensführung keine einheitlichen Maßstäbe gibt, die für jeden absolute Gültigkeit haben. Das zeigt auch das Bild zur Jahreslosung sehr schön, indem es einzelne „Flicken“ darstellt, die alle eine unterschiedliche Farbe und Größe haben und aus unterschiedlichen Materialien sind. Manche sind ganz ähnlich, aber keins ist wie das andere. Doch verbunden sind diese Einzelteile trotzdem zu einem großen Ganzen mit den einzelnen Fäden: manchmal auch mit schiefen und krummen Nähten, aber doch auch so fest, dass alle Einzelteile ein schönes Gesamtbild ergeben. Und Platz ist an allen Seiten auch noch, die Fäden an den Enden sind nicht vernäht. Und über all dem leuchtet wie ein Heiligenschein das Lob Gottes.

„Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, zum Lob Gottes“. Auch im Jahr 2015 wird das eine kniffelige Aufgabe für uns alle sein. Aber ich hoffe doch sehr, dass wir sie in Teilen in unseren beiden Kirchengemeinden und auch darüber hinaus verwirklichen können.

Ich wünsche Ihnen und allen, die Ihnen am Herzen liegen, eine gesegnete und möglichst reibungsfreie Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Start in das neue Jahr 2015!

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski

 

Bild: Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen


 

 

Danksekunde (Oktober 2014)

Das Leben selbst ist ein Geschenk

Es gibt so viele gute Gründe, dankbar zu sein!

Wann sagt man „Danke“? Wenn einem die Tür aufgehalten wird, wenn man etwas geschenkt bekommt, wenn einem jemand etwas Gutes tut. Danke sagt man in der Regel, wenn eine Bitte erfüllt wird, und bei etwas Außergewöhnlichem. Selbstverständliches nimmt man dagegen einfach so an - wortlos, ohne Kommentar. Doch was ist selbstverständlich? Und an was haben wir uns einfach nur gewöhnt? In Deutschland an vieles, denn wir leben in einer Konsumgesellschaft. Da gibt es von vielem mehr als genug: Waren, Freizeitangebote und Informationen im Überfluss. Natürlich können sich nicht alle Menschen alles leisten, aber die allermeisten haben doch mehr als sie brauchen. Die Frage der meisten ist nicht: “Habe ich etwas zum Essen?“, sondern: „Worauf habe ich heute Lust?“.

Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Das wissen alle, die von irgendetwas aus der Bahn geworfen wurden – von einer Krankheit zum Beispiel. Es gibt viele Schläge, die einen schmerzhaft an das erinnern, was Jesus mit der Frage anspricht: „Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben nur um eine Stunde verlängern?“ (Bergpredigt Matthäusevangelium Kapitel 6, Vers 27). Jesus blickt hinter die Fassaden des Alltagstreibens und spricht eine ganz elementare Realität an: Das Leben selbst ist ein Geschenk.

Alleine dafür haben wir Grund genug, Gott dankbar zu sein. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere gute Gründe dankbar zu sein: Für die Sonne, die den Tag hell macht. Für eine Mahlzeit, die satt macht. Für ein Lächeln, das froh macht. Für die Stille, die innerlich ruhig macht. Und für vieles mehr. Eigentlich könnte man jede Sekunde einmal „Danke“ sagen, das wären dann 86.400-mal an einem Tag.

Wer dankbar ist, erkennt den Wert von allem. Mit dem Wort „Danke“ auf den Lippen wird man achtsamer für die Mitmenschen, die Umwelt, für sich selbst – und für Gott.
Vieles, das unser Leben ausmacht, liegt nicht in unserer Hand. Wir sind Beschenkte.

Wofür sind Sie in Ihrem Leben dankbar?


Pfarrer Martin K. Reinel, EKHN-Öffentlichkeitsarbeit

 


 

 

Auf dem Weg (Juli 2014)


Liebe Gemeinde,

„Denn wer sicher wohnt vergisst, dass er auf dem Weg noch ist."

Kennen Sie das Gefühl, nach einem Umzug in einem leeren Haus oder einer leeren Wohnung zu stehen? Die Wände sind frisch gestrichen, die Möbel zum Teil schon an ihrem Platz und alles, was man hat, ist sicher in Kisten verstaut. Auspacken und einrichten ist dann angesagt. Man ist von dem Gefühl bestimmt, sich an diesem neuen Ort niederzulassen und es sich gemütlich zu machen, Ordnung in das Chaos der Kisten zu bringen und einfach ein Zuhause zu finden. Es gibt uns Sicherheit zu wissen, dass alles an seinem Platz ist und in geordneten Bahnen läuft. Wenn wir in solch einer Sicherheit angekommen sind, wollen wir oft gar nichts von Veränderungen wissen, schließen sie vielleicht sogar bewusst aus.

Theoretisch wissen wir natürlich, dass nichts ohne Veränderung geht, aber praktisch ignorieren wir das dann doch lieber.

„Denn wer sicher wohnt vergisst, dass er auf dem Weg noch ist." Was ein bisschen wie eine Weisheit von Meister Yoda aus den „Star Wars“- Filmen klingt, ist eine Zeile aus dem Lied „Komm in unsre stolze Welt“ von Hans von Lehndorff (Evangelisches Gesangbuch, Nr. 428). Diese Liedzeile stellt die von uns ersehnte Sicherheit in Frage und rüttelt uns auf in unserem Vergessen: Auf dem Weg sind wir! Noch längst nicht angekommen! Auch wenn wir immer meinen, es sei anders.

Auch viele der Geschichten in der Bibel sind Weggeschichten: Abraham und Sara; Mose und das Volk Israel; Jesus; die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu und viele, viele mehr.

Und in diese so alte Tradition reihen sich seit Jahrhunderten Menschen ein, die für einen bestimmten Zeitraum ihre gewohnte Sicherheit verlassen und sich auf eine Pilgerreise begeben. Eine Pilgerreise ist immer ein Abenteuer- und manche Pilgerwege sind abenteuerlicher als andere. Für einige Menschen geht es dabei um das Ziel als solches: die Kathedrale von Santiago, der Petersdom in Rom oder welches Ziel auch immer. Für andere geht es aber eher um das Gehen an sich. Denn wer sich auf einen Pilgerweg begibt, der begibt sich immer gleichzeitig auf eine äußere und eine innere Reise.

Natürlich kann man sich fragen: Warum das alles? Warum soll ich meine Gewohnheiten und meine Sicherheit verlassen, wenn es in ihnen doch auch so gemütlich ist?

Diese Frage habe auch ich mir während meiner Pilgerreise mehr als einmal gestellt. Für mich ist Pilgern „das Leben im Kleinformat“ und alles, was ich in der Zeit erlebt und über mich gelernt habe, lässt sich von diesem Kleinformat auf mein Leben übertragen. Wenn ich mich auch körperlich auf den Weg mache, bin ich (zwangsläufig) offener für das Unvorhersehbare und lerne wieder, mit diesen unerwarteten Situationen kreativ umzugehen. Ich lerne meine Grenzen kennen, dass nicht immer alles nach meinem Willen geht, finde meinen eigenen Weg, meinen eigenen Rhythmus. Ich lerne auch, zu scheitern und dass manchmal tatsächlich der Weg entscheidender ist, als das Ziel. Ich bin schutzloser als in meinem festen Haus mit den festen Mauern und viel mehr auf die Gnade und Hilfe Gottes und die Gnade und Hilfe anderer Menschen angewiesen.

Aber das alles lässt mich wieder mehr Vertrauen zu Gott entwickeln und mein Leben wieder mehr aus meinen eigenen Händen und meinem eigenen Willen geben in die Hände dessen, der mich auf meinem äußeren und auch auf meinem inneren Weg begleitet.

Mit Gott sind wir immer auf einer Reise und als Christinnen und Christen in dieser Welt nie angekommen an unserem Ziel.

„Denn wer sicher wohnt vergisst, dass er auf dem Weg noch ist."

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski



 

Gipfelschnecke und Gipfelstürmer (Mai 2014)

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht geht es Ihnen ja wie mir, wenn Sie aus dem Fenster schauen: Berge, egal wohin man schaut. Natürlich haben wir kein Panorama wie in den Alpen, aber verstecken müssen wir uns auch nicht. Das zeigen auch die vielen gut markierten Wanderwege, die es in unserer Region gibt.

Berge üben auf viele Menschen eine unglaubliche Faszination aus. Vor allem dann, wenn man oben steht und bei schönem Wetter eine unglaubliche Sicht genießen kann. Vielen Menschen wird in den Bergen erst richtig bewusst, wie schön Gottes Schöpfung ist und sie fühlen sich hier oben Gott auch besonders nahe.Gipfelstürmer und Gipfelschnecke

Doch bis es soweit ist und man die wunderbaren Ausblicke genießen, die Schönheit der Schöpfung bewundern und Gottes Nähe spüren kann, kann es oft ein langer und schwieriger Weg sein. Denn wenn man nicht mit dem Auto oder einem Lift nach oben fahren will, hat man oft einen steilen Aufstieg vor sich, der auch sehr viel Kraft kosten kann. Und diesen Aufstieg kann man auf zwei Arten bewältigen, wie die folgende Geschichte auf humorvolle Weise zeigt:

Oberhalb der Baumgrenze, wenn Fels und manchmal auch der Schnee die Herrschaft übernehmen, können nur wenige Wesen überleben. Die sogenannte Gipfelschnecke zählt zu ihnen. Sie verhält sich anders als die Spezies des Gipfelstürmers. Er schnauft, keucht und rennt den Berg hinauf. Und immer, denkt er, sei er Sieger, wenn er wieder talwärts rauscht, bereits den nächsten Gipfel im Blick.

Der vermeintlich besiegte Berg aber schüttelt noch nicht einmal den Kopf. Allenfalls amüsiert er sich kaum merklich. Anders als der Gipfelstürmer ist er nämlich noch immer da und freut sich still. Worauf? Auf die Ankunft der Gipfelschnecke. Sie ist schleichend unterwegs, wodurch sie erheblich an Zeit gewinnt. Denn wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge genießt sie den Höhepunkt bedeutend länger als zuvor der Gipfelstürmer.

Weil die Bergschnecke auch keine stürmischen Geräusche von sich gibt, ist es ihr gegeben, auf dem Gipfel besondere Stimmen hören zu können. Es ist die eigene, die erfrischend anderes als im Tal zu sagen hat. Manchmal aber ist es auch die Stimme des Himmlischen, was dann noch eindrücklicher als der Gipfel selber ist. (Georg Magirius, „Die Gipfelschnecke“, in: Heide Warkentin (Hg.), „Gipfelgebete“, München 2013.)

Ich finde immer, dass man beim Erklimmen von Bergen auch sehr viel über sich selbst lernen kann. Denn vieles in unserem Leben gleicht auch einem Berg: ob es die Arbeit im sprichwörtlichen „Berg von Arbeit“ ist, Lebenskrisen, von denen man nicht weiß, wie man sie bewältigen soll oder was auch immer sich gerade vor Ihnen zu einem Berg auftürmt.

Und wie beim Erklimmen der Berge ist auch hier die Frage: bin ich ein Gipfelstürmer, der gern alles keuchend und rennend abarbeitet? Oder bin ich eine Gipfelschnecke und gehe die Dinge mit Bedacht an, habe nur den einen Berg im Blick, um den es gerade geht? Natürlich will man das Schwierige und Unangenehme so schnell wie möglich hinter sich bringen. Aber oft verliert man dabei auch aus dem Blick, was um einen herum noch so zu hören und zu sehen ist. Was einem in den Schwierigkeiten neue Kraft geben und den Blick weiten kann. Und vielleicht können wir ja so auch Anderen begegnen, die den Weg nach oben mit uns gehen.

Wie in der kurzen Geschichte von der Gipfelschnecke kann uns das langsame und bedächtige Erklimmen unserer persönlichen Berge auch die Ohren öffnen: für Gottes Stimme, die uns immer wieder zuflüstert: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.“ (Jesaja 54,10).

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski

 


 

 

Das Licht der Auferstehung (März 2014)

Liebe Gemeinde,

sicher haben Sie sie auch schon gespürt: die ersten zarten (oder auch nicht ganz so zarten) Sonnenstrahlen auf der kalten Winterhaut. Nach den Wochen, in denen Dunkelheit und Nebel das Sagen hatten, tut es gut, auch mal wieder die Wärme zu spüren. Es tut gut zu sehen, wie die ersten Blumen wieder blühen, wie das Licht durch die noch kahlen Äste der Bäume fällt. Noch deutlicher kann man es wohl kaum merken: es wird Frühling!

Frühling wird es auch auf dem nebenstehenden  Bild. Allerdings eine ganz andere Art von Frühling. Das, was abgebildet ist, verstehe ich eher als ein Frühling unseres Glaubens und vielleicht auch als ein Frühling in uns.
Ein Kreuz leuchtet aus der Mitte heraus, so strahlend hell, dass es uns fast schon blendet. Die Farben des Bildes werden von innen nach außen hin schrittweise dunkler- nach und nach scheint das gleißende Licht die Dunkelheit einzunehmen. Bis ganz außen, in die blaue Dunkelheit, ist es noch nicht ganz vorgedrungen, aber es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es auch dort endlich angekommen ist. An mehren Stellen scheinen helle und dunkle Töne zu überlappen. Für mich ein Hinweis darauf, dass sich das Licht in der Mitte seinen Weg bahnt. Mit aller Kraft, die es nur hervorbringen kann und dennoch nicht mit einem Schlag. Sondern Schritt für Schritt.

Das Bild zeigt für mich den Frühling des Glaubens, weil es ein Osterbild ist. Nach der langen Passionszeit, die in der tiefsten Dunkelheit des Karfreitags ihren Höhepunkt findet, scheint am Ostermorgen das gleißend helle Licht der Auferstehung in diese Dunkelheit hinein. Nach dem langen „Glaubens- Winter“ können wir wieder die Frühlingssonne der Auferstehung spüren, die diesen Winter langsam aber stetig auflöst. Und dabei wird das Geschehene nicht einfach vergessen, der Karfreitag wird nicht einfach ungeschehen gemacht. Im Gegenteil: Er bleibt bestehen im Symbol des Kreuzes- aber dieses Kreuz rückt nun in ein anderes Licht und bekommt damit eine andere Bedeutung: vom Symbol des Todes zum Symbol des Lebens.

Und das Bild zeigt für mich auch den Frühling in uns. Oder besser gesagt: in unserem Leben. In jedem Leben gibt es Zeiten, die so dunkel sind wie die Ränder des Bilds. Vielleicht sogar noch dunkler. Auch in unserem Leben gibt es die Zeiten, die sich wie der kälteste vorstellbare Winter anfühlen: Krankheit, Einsamkeit, Verzweiflung, der Tod eines geliebten Menschen und vieles, vieles mehr. In diesen Winter fällt nicht einfach so, ganz plötzlich, wieder die Frühlingssonne. Ich finde, es ist ähnlich wie auf dem Bild: von innen heraus bahnt sich irgendwann ein Licht den Weg, das gleißend hell ist und das unseren Lebenswinter bescheint wie die Frühlingssonne. Und auch dabei wird das Geschehene nicht einfach vergessen. Das, was wir erlebt haben an Schmerzhaftem und Traurigem verschwindet ebenso wenig, wie das Kreuz auf dem Bild. Aber es erscheint uns in einem anderen Licht und hoffentlich nicht mehr so schmerzhaft und traurig wie zuvor.
Uns allen ist das Licht des Ostermorgens geschenkt, mit dem die Hoffnung auf die Auferstehung verbunden ist. Und damit auch die Hoffnung, dass dieses Licht auch in die Dunkelheiten unseres Lebens hineinstrahlt und sie in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski

 


 

 

Der gordische Knoten (Januar 2014)

Liebe Gemeinde,

kennen Sie das Spiel „Der gordische Knoten“? Falls nicht: bei diesem Spiel stehen alle Teilnehmenden in einem Kreis, strecken die Hände zur Mitte hin und schließen die Augen. Danach suchen alle Spielenden mit ihren Händen nach anderen Händen; jede Hand muss eine andere greifen. Auf diese Weise entsteht ein „Gordischer Knoten“, der nun gelöst werden muss- und zwar ohne dass die Mitspielenden die Hände loslassen. Das Spiel selbst geht zurück auf die gleichnamige Sage- doch hat in ihr niemand den Knoten mit Geduld aufgedröselt, sondern Alexander der Große soll ihn mit dem Schwert zerschlagen haben.

Manche Probleme in unserem Leben und in unserem Alltag fühlen sich vielleicht auch manchmal an wie solch ein „Gordischer Knoten“: verworren, verknotet, festgefahren, niemand weiß, wo Anfang und Ende sind. Da ist die Sehnsucht nach jemandem, der oder die dies alles mit einem Schlag verändert und alles Verworrene, Verknotete und Festgefahrene löst, sehr groß und verständlich.
Doch so etwas erleben wir nur selten- und wenn doch machen wir vielleicht die Erfahrung, dass diese plötzliche Veränderung sehr schmerzhaft war.

Dem Bild von Alexander dem Großen, der mit der Kraft seines Schwerts den Knoten zerschlägt, möchte ich das Bild einer Frau gegenüberstellen: Maria, die Knotenlöserin. Dieses Bild ist in Argentinien, sehr beliebt, aber es stammt ursprünglich aus einer Kirche in Augsburg. In dieser Darstellung nimmt Maria verworrene und verknotete Bänder in die Hand, und anstatt sie zu zerschlagen oder wegzuwerfen, nimmt sie sich Zeit, um mit Geduld all das wieder aufzudröseln, was sich verknotet hat. Sie nimmt es aus der Hand eines Engels verknotet entgegen und gibt es ab in die Hand eines zweiten Engels, entwirrt, damit daraus Neues entstehen kann.
Ein schönes Bild dafür, dass sich Probleme und festgefahrene Situationen oft nur mit Geduld und Mühe lösen lassen. Und für mich auch ein sehr schönes Bild dafür, dass Veränderungen ebenfalls nur auf diese Weise entstehen: mit Geduld und Zeit, nicht mit einem Schlag, der alles Alte einfach zerstört. Bestehendes wird aufgedröselt und geschaut, was erhalten bleiben soll und wo Dinge vielleicht neu verbunden oder mit ganz Neuem ergänzt werden können.

Für persönliche Veränderungen ist der Jahreswechsel für viele Menschen ein Anlass, aber auch die Passionszeit ist in den letzten Jahren wieder neu in das Bewusstsein der Menschen gerückt: als Möglichkeit, den Alltag zu verändern. Sieben Wochen lang auf Schokolade, das abendliche Glas Rotwein, das Handy oder den Fernseher zu verzichten kann dabei helfen, wieder bewusster zu leben, weil man genauer auf das achtet, was man tut- oder lässt. Vielleicht erkennt man dabei, dass man gar nicht so sehr an bestimmte Dinge gebunden ist, wie man immer dachte. Und vielleicht beginnen sich so auch Knoten und Verworrenes langsam zu lösen. Der bewusste Verzicht kann uns öffnen für das, was wir um uns herum sonst nur am Rande wahrnehmen und er kann uns öffnen für Gott in unserem Leben.

Ihre Pfarrvikarin
Andrea Deminski

Liebe Leserinnen und Leser,

 

aus dem fernen Morgenland hatten sie sich auf den Weg gemacht – Magier aus dem Osten also Angehörige des persischen Priesterstandes, die sich mit Sternenkunde und Astrologie befassten. Den neugeborenen König der Juden wollten sie sehen und ihm Ehre erweisen. Bei ihrer Suche wies ihnen ein Stern den richtigen Weg über Jerusalem, wo König Herodes regierte, nach Bethlehem. Dort fanden sie tatsächlich das Kind mit Maria, seiner Mutter. Sie fielen vor dem Kinde nieder und überreichten ihm wertvolle Geschenke, ja königliche Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. – Nun sollte es wieder zurück in die Heimat gehen. Die Magier wollten wieder dieselbe Route über Jerusalem benutzen. Aber die Freude der weit gereisten Fremden über das Kind stand im Gegensatz zum Schrecken, der ganz Jerusalem erfasst hatte. König Herodes hegte bereits finstere Mordgedanken, weil er seine Herrschaft bedroht sah. –

Weiter berichtet der Evangelist Matthäus uns von den Magiern: „Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“

Was immer sich die drei Weisen auch denken: Gott hat etwas anderes vor, und so weist er sie in eine andere Richtung, weit weg vom gefährlichen König Herodes. –

Vielleicht ist das auch etwas, das wir von dieser Weihnachtsgeschichte lernen können: Im Leben geht es nicht immer nach unseren Träumen und Plänen. Aber der Gott, der in Bethlehem geboren wird, ist einer, der uns auch auf schrägen Wegen begleitet. Auch da, wo es unbequem und dunkel ist. Es ist ein Gott, der uns zärtlich berühren will und uns durch die Nacht hindurch den Weg zum ewigen Licht weisen kann. –

 

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein behütetes neues Jahr wünscht Ihnen und den Ihren

 

Pfarrer Jonas Schmidt

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